Radix-Körperpsychotherapie

Klaus Poschmann, Rudolf Müller-Schwefe

Da unsere Haltungen, Emotionen, Gefühle, Stimmungen nur bedingt durch Verständnis und Einsicht zu beeinflussen sind, viel mehr aber durch bewusstes Erleben des gesamten Organismus, bietet sich die Körper-Psychotherapie überhaupt als Weg des Wachsens und der Veränderung an. Ein Nacken, der sich aus Angst vor Erniedrigung oder Schlägen gebeugt und über die Jahre verkürzt hat, ist weder durch Verstehen noch durch Krankengymnastik dauerhaft dazu zu bewegen, sich aufzurichten. Erst wenn die angehaltene "Angst im Nacken" sich löst und erlebt statt festgehalten wird, kann die Kontraktion nachlassen. Denn die alte Angst - in der klaren Bewussheit der Gegenwart ausgedrückt - erfährt auch, dass nun die Gefahr vorbei ist.
In der Radix Körper-Psychotherapie werden besonders die meist unbewussten unterbrochenen Gefühle aufgespürt, deren an- und festgehaltene Impulse sich als Symptome melden. Wenn sie sich vervollständigen und damit in Kontakt und in die gegenwärtige Realität kommen können, lösen sich körperliche wie psychische Spannungen und die eigene Energie steht wieder dem Leben zur Verfügung. Bewusste Aufmerksamkeit, körperliche Lockerung und emotionale Ausdruckshaltungen und -bewegungen sowie der Kontakt mit dem Therapeuten führen auf diese Spur.
Zum anderen können aber starke Emotionen den Körper und das Ich so überfluten (und werden häufig deshalb unterbrochen), dass der innere Halt der Persönlichkeit gefährdet ist. Dies wird vermieden, wenn die Gefühle sich - mit Hilfe des Therapeuten - organisieren können (in Erleben, Ausdruck, Bewegung, Haltung, Stimme). Dazu werden auch grundlegende Fähigkeiten benötigt, die häufig in der Therapie gelernt werden, wenn es in der Kindheit nicht möglich war: Die eigenen (Körper-) Grenzen spüren und verteidigen können, der gesamten eigenen Körperhülle gegenwärtig (Körperschema) und in gutem, sinnlichen Kontakt mit der Realität sein (Erdung) sowie sich selbst regulieren, also aktivieren, beruhigen und trösten können. Das Lösen steckengebliebener Gefühle und das Stärken der Selbstregulation wird in der Therapie unterschiedlich, weil individuell betont werden; ihr Wechselspiel führt zur Befreiung von "Altlasten", zu intensivem Erleben und klarem Handeln, zur Vertiefung der Pulsation der Lebensenergie.

Artikel dazu: “Mit Leib & Seele”


AI 2013